Die „freiwillige Feuerwehr“ der Lüfte: Civil Air Patrol

Kinder träumen häufig davon, Pilot zu werden. Oder doch lieber Feuerwehrmann? Und wenn man sich absolut nicht entscheiden kann oder will? Wenn man unbedingt fliegen möchte aber auch das Bedürfnis hat, anderen in ehrenvoller Uniform in Notlagen zu helfen und sich für eine gute Sache einzusetzen? Geht so etwas?

Ja, das geht – jedenfalls in Amerika. Dort gibt es die „Feuerwehr der Lüfte“ – die Civil Air Patrol (CAP). Freiwillige stellen sich dort in den Dienst der guten Sache und benutzen dabei eine Cessna 172 – ein Traum, oder?

Die Civil Air Patrol hat drei Hauptaufgaben: Sie übernimmt Aufgaben in der Luftrettung und dem Katastrophenschutz, sorgt für die Bildung der Bevölkerung im Bereich der Luftfahrt und hat zudem einen Erziehungsauftrag für Kinder und Jugendliche.

Search and Rescue (SAR)

Die Standards der International Civil Aviation Organisation (ICAO) schreiben vor, dass jedes Mitgliedsland eine Organisation vorhalten muss, welche die Suche und Rettung von Personen mit Luftunterstützung durchführt. Dies kann durch mehrere Organisationen geschehen wie in Deutschland zum Beispiel durch die Bundeswehr oder den ADAC.

In den USA wird ein Teil dieses Dienstes durch die CAP wahrgenommen. Sie unterhält dazu mit über 560 Kleinflugzeugen die Größte General Aviation Flotte der Welt, die im Jahr zusammen über 100.000 Flugstunden zusammen bekommt. Sie besteht zur Hauptsache aus Cessnas 172 und 182 aber auch einige Segelflugzeuge für Orientierungsflüge mit den jüngeren Mitgliedern gehören dazu, aber dazu später mehr.

Immer wenn ein Flugzeug vermisst wird gehen die freiwilligen Crews – in der Regel bestehend aus Pilot, Navigator und Beobachter – mit ihren Kleinflugzeugen in die Luft und machen sich auf die Suche. Dabei haben sie Peiler an Bord, die ausgelöste Notsender von Kleinflugzeugen (ELT) aufspüren können oder auch moderne Handy-Ortungsgeräte. Aber auch die Kollegen am Boden setzen solche Geräte ein und machen sich auch zu Fuss oder mit einem der über 1000 Fahrzeuge auf den Weg.  155 Menschen wurden so im Jahr 2018 durch die CAP aufgespürt und gerettet. Auch nach Naturkatastrophen wie Hurricanes oder Tornados kommt die CAP regelmäßig zum Einsatz um durch Luftaufnahmen eine erste Bestandsaufnahme der Schäden vorzunehmen. Wenn dringende Medikamente, Organe oder Blutreserven schnell von A nach B gebracht werden müssen, dann ist dies ebenfalls ein Job für die CAP.

Jugendförderung

Damit dies im Notfall auch alles reibungslos funktioniert werden solche Einsätze regelmäßig geübt. Orientierungsflüge und Suchaktionen am Boden stehen insbesondere im Rahmen des Ausbildungsprogramm für die jugendlichen Mitglieder, den Cadets, regelmäßig an. Spätestens jetzt spürt man den militärischen Touch, den diese Organisation mitbringt. Nicht nur, dass die Kadetten und auch die erwachsenen Mitglieder im Dienst eine der US Air Force ähnliche Uniformen anlegen. Auch die Hierarchie ist ganz ähnlich und der Dienstgrad regelt, wer hier was zu sagen hat. Auch wenn wir hier wohl nicht von einem echten Drill sprechen können, ist es doch auch die Aufgabe und die Philosophie den Jugendlichen zwischen 12 und 21 Jahren Disziplin mit einer militärischen Note beizubringen. Von Zwang kann aber sicher keine Rede sein. Im Gegenteil alle Mitglieder sind schließlich freiwillig in der Organisation, zahlen sogar einen Mitgliedsbeitrag. Viele junge Männer und auch Frauen sehen in CAP den ersten Schritt in einer militärische Berufslaufbahn. Ein klar festgelegter Trainingsplan führt jeden Kadetten durch seine Karriere bei CAP. Die etwas fortgeschrittenen Kadetten kümmern sich um die Jüngeren. Zum Lehrprogramm gehören „normaler“ Unterricht genauso dazu wie Exkursionen, sportliche Betätigung und ja auch ein wenig im Gleichschritt marschieren wie die „Großen“. Auch mindestens zehn Orientierungsflüge gehören fest zum Programm, von denen bis zu fünf Flüge auch mit den CAP-eigenen Segelflugzeugen durchgeführt werden können. Mir selbst sind die Kadetten auch schon beim Anschauungsunterricht in Luftfahrtmuseen oder als Helfer bei Veranstaltungen wie AirVenture und Sun’n Fun begegnet. Sie sind mit ihrer stolz getragenen Uniform immerhin gut zu erkennen.

Quelle: Wikipedia

Wer es dann bis zum Cadet Colonel geschafft hat, kann sicher mit Fug und Recht behaupten, erste Führungsqualitäten unter Beweis gestellt zu haben.  Irgendwann, mit spätestens 21 Jahren, ist es dann soweit und man wechselt zu den erwachsenen Seniors. Jetzt wird es ernst. Unter diesen findet man nun die Instructors, Supervisors und Operators die im Ernstfall den Ton angeben und „zwischendurch“ das Bildungsprogramm der Kadetten und die vielfältigen weiteren Aufgaben der CAP sicherstellen.  Um Senior Member zu werden muss man allerdings nicht zwingend schon seine Jugend mit CAP verbracht haben. Der „Quereinstieg“ ist auch möglich und auch für die Großen gibt es Ausbildungsprogramme und Dienstgrade, man erklimmen kann – wenn man möchte. Voraussetzung ist die amerikanische Staatsbürgerschaft oder eine permanente Aufenthaltsgenehmigung und das Bestehen eines „FBI Background Checks“.

Bildung

Ein dritter großer Bereich ist der Bildungsauftrag für die Luftfahrt in der Bevölkerung. Dazu werden Seminare angeboten, in Schulen unterrichtet oder auch Lehrmaterial für Schulen zur Verfügung gestellt. Das Ziel ist die Aufklärung der Bevölkerung über Themen der Luftfahrt und ihrer Geschichte.

Etwa 60.000 Mitglieder hat die Civil Air Patrol, die sich in etwa hälftig je auf Cadets und Senior Members verteilen. Alle zahlen für ihre Mitgliedschaft, keiner wird bezahlt. Selbst die Uniform muss sich jeder selbst kaufen. Und die CAP-Piloten bringen ihre Fluglizenz mit und erwerben sie nicht etwa während der Ausbildung auf Kosten der Organisation. Es ist also eine absolut freiwillige und ehrenamtliche Tätigkeit für die man bei einer der 1600 Local Units seine Freizeit opfern darf. Man findet CAP-Squadrons – die kleinste lokale Einheit – überall in den USA. Aber auch in Puerto Rico oder in Deutschland – auf der Ramstein Airbase – findet man ein solches Squadron. Das Hauptquartier befindet sich in Montgomery Alaska.

Die Geschichte der CAP beginnt mit ihrer Gündung im Jahr 1941. Im zweiten Weltkrieg wurde die Möglichkeit gesehen, die zivilen Ressourcen der Allgemeinen Luftfahrt einzubinden. Zu den Aufgaben gehörten Grenzpatrouillen, Bootendienste und das Aufspüren feindlicher U-Boote. Letzteres war auch sehr erfolgreich. Über 170 feindliche U-Boote sollen durch die CAP aufgespürt, einige sogar direkt versenkt worden sein. Allerdings sind auch ca. 60 CAP Mitglieder in dieser Zeit gefallen. Nach dem Ende des Krieges wurde gesetzlich verankert, dass die CAP nie wieder in Kampfhandlungen verwickelt werden soll. Somit wurde sie zu einer zivilen Non-Profit-Organisation, die sich durch die Mitgliedsbeiträge, Spenden von Firmen und Privatleuten und staatlichen Zuschüssen vollständig selbst finanziert. Verschiedene US-Regierungsorgane und private Organisationen wie das American Red Cross beauftragen sie mit Kurier-Diensten.

Seit Jahren ist die CAP eine offizielle Hilfsorganisation der US Air Force und wird insofern auch von ihr gelegentlich zur Hilfe gerufen. Beispiele hierfür sind der Kampf gegen den Drogenschmuggel an Amerikas Grenzen oder die Beteiligung der CAP-Flugzeuge als „Targets“ an Abfangübungen. Damit sind die CAP-Cessnas wohl die einzigen GA-Flugzeuge, die regelmäßig in aktiven Restricted Airspaces zu finden sind.

Auch im Namen der Homeland Security gibt es was zu tun. So waren die CAP-Flugzeuge die ersten, die am 11. September 2001 über den eingestürzten Türmen des World Trade Centers Luftaufnahmen gemacht haben, währen die gesamte restliche Luftfahrt des Landes gegroundet war.

Ein Kindertraum wird war. Feuerwehrmann und Pilot zur gleichen Zeit. Wer sich für als helfender Pilot berufen fühlt und den das bisschen militärischen Touch nicht stört, ist bei der Civil Air Patrol sicher gut aufgehoben. Alles in allem ist es sicher eine gute Einrichtung und mit Recht einer der 10 Gründe um als deutscher Pilot in die USA auszuwandern 😉

Quelle: Wikipedia

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