Florida Flyers: Rainer Pereira Da Silva is back

Rainer Pereira Da Silva, geborener Hückels, ist uns nicht nur aus der Vox-Doku „Goodbye Deutschland“ bekannt, sondern auch als Gründer der Flugschule „Florida Flyers“ in St. Augustine, Florida. Eine der beliebtesten Flugschulen in den Vereinigten Staaten – nicht nur bei den vielen deutschen Piloten, die ihre Lizenz während eines sonnigen Fliegerurlaubs in Florida bei ihm und seiner Crew erworben haben. In den vergangenen Monaten war es etwas ruhiger um den in Moers geborenen Unternehmer geworden. Nun aber kehrt er zurück zu Florida Flyers. GermericanPilots hatte die Gelegenheit zu einem Interview.

Rainer Pereira Da Silva

GermericanPilots: Wie bist Du zur Fliegerei gekommen?

Rainer: Das ist eine lange und lustige Geschichte. Seit meinem ersten Linienflug im Jahr 1995 hatte ich Flugangst. Im Alter von 24 Jahren dann der erste Flug mit meiner zwischenzeitlich verstorbenen Ehefrau nach Valetta über Hamburg. Bereits vor dem Einsteigen in die erste Maschine habe ich mit meinen ängstlichen Fragen an meine Frau die gesamten wartenden Passagiere unterhalten und teilweise zu Lachkrämpfen gebracht. Nach ca. 45 schweißtreibenden Minuten in der Luft kam dann die – leider falsche – Ansage: „Ladies and Gentlemen, in a few minutes we will start our approach into Valetta Airport“. Ich war so angespannt, dass ich mir über die Relation und Zeit überhaupt keine Gedanken machte und dachte, wir wären gleich am erlösenden Endziel unserer Reise. Wir landeten aber nur in Hamburg, um weitere Passagiere aufzunehmen und mussten zu diesem Zweck das Flugzeug verlassen und neu boarden. Dazu musste ich dann aber erst wieder spektakulär überredet werden.

Vor einem weiteren Flug, hatte eine Flugbegleiterin nach der Ankunft der Maschine versehentlich die Hebel in der falschen Reihenfolge betätigt, so dass alle Notrutschen herauskamen. Ich beobachtete das vom Terminal aus und geriet sofort in Panik, die sich während meines Fluges dann so zuspitzte, dass ich schlussendlich ohnmächtig wurde und durch die Flugbegleiterinnen mit Eisbeuteln und Wasser und in liegender Position bis nach Frankfurt geflogen wurde.

GermericanPilots: Wie hast Du Deine Flugangst denn überwinden können?

Rainer: Auf einer Weihnachtsfeier meiner Schwertransportfirma in Deutschland dann die Idee, ich mache einen Schnupperflug und versuche, durch den Erwerb des PPL meine Flugangst zu überwinden. Es dauerte dann noch 3 Monate, mit mehrfachem Nachfragen meiner Mitarbeiter, wann ich denn endlich loslegen würde, bis ich dann in Dinslaken (EDLD) bei der dortigen heutigen Flugschule Petermann einen Schnupperflug in einer Cessna absolvierte. Das war am 10.3.2005. Der Flug machte mir keinen Spaß, obwohl der Fluglehrer mir gut zugeredet hatte. Ich kam mit grasgrünem Gesicht aus dem Flugzeug, habe mich dann aber durchgebissen. Es dauerte ein wenig und es benötigte mehrere Fluglehrer, bis ich Vertrauen in das Fliegen bekommen hatte. Aber dann ging es dann recht schnell: PPL, eigenes Flugzeug, Instrument Training in Florida im Jahr 2007.

GermericanPilots: Welche Lizenzen und Ratings hast Du?

Rainer: Ich habe heute EASA PPL, EASA CFI/CRI sowie EASA Instrument Rating durch Erwerb des competency based IFR. Zwischenzeitlich war meine EASA Lizenz verfallen und das SEP abgelaufen. Ich habe dann in diesem Jahr in Zusammenarbeit mit unseren Partnerflugschulen in Deutschland wieder die EASA-Lizenzen erworben, zusätzlich die Fluglehrerausbildung absolviert und das EASA IR gemacht. Als FAA-Lizenzen halte ich ATPL mit IR, Fluglehrer CFI, CFII Instrument sowie Multi Engine und Seaplane ratings, die ich alle in den USA erworben habe.

GermericanPilots: Welche Flugzeugtypen bist Du bisher geflogen?

Rainer: Oh, das sind zwischenzeitlich so viele. Im Pistonbereich meistens Cessna, Cirrus und Piper und die legendäre Piper J3 Cub als Seaplane. Im Multi Engine Bereich Piper, Baron, Beech,  King Air C90 und B200, um nur ein paar zu nennen. Dann habe ich noch Turbinenzeit in Piper Meridian und TBM850 sowie kürzlich erworbene Stunden im Embraer Jet E175 auf ATPL-Basis. Und dann noch ein paar Stunden in Robinson Helikoptern R22 und R44.

GermericanPilots: Warum hast Du die Weltstadt Moers verlassen und bist in die USA ausgewandert?

Rainer: Ich hatte immer den Drang, etwas anderes zu machen und konnte mir nicht vorstellen, den damaligen Job in der Transportbranche bis an mein Lebensende zu machen. Das hätte mich nicht glücklich gemacht oder ausgefüllt. Nachdem ich meine weiteren Berechtigungen in den USA, Florida erworben hatte, gefielen und beeindruckten mich die Region um St. Augustine, die Leute und die fliegerischen Möglichkeiten in den USA. Nach fast 6-monatigem Aufenthalt in Florida kam dann die unheilbare Krebserkrankung meiner damaligen Ehefrau hinzu und damit verbunden, der Wunsch nach Sonne, Strand für die vermutlich letzten Lebensmonate meiner Frau und ggf. besserer Behandlungsmöglichkeiten sowie etwas mehr Zeit mit meiner Familie. So haben wir uns sehr kurzfristig entschlossen, nach Saint Augustine in Florida auszuwandern, wo ich dann im Jahr 2007 Florida Flyers gegründet habe. Der Umzug war nicht einfach und auch die Eingewöhnung dauerte etwas. Für meine damalige Frau war es die richtige Entscheidung. Die Klimaveränderung hat ihr gutgetan, auch wenn sie Florida am Ende nur knapp zwei Jahre genießen durfte.

GermericanPilots: Wie hast Du die Auswanderung in die USA geschafft?

Rainer: In meinem Fall ging die Auswanderung über ein L1/L2 Management Transfer Visum. Ich wurde im Prinzip durch meine deutsche Transportfirma als Manager in die USA versetzt, um die Flugschule zu gründen. Nach viel Bürokratie und etwas Hilfe durch eine deutschsprachige Einwanderungsanwältin gab es dann nach 2 Jahren die Greencard, und nach weiteren 5 Jahren dann schließlich die amerikanische Staatsbürgerschaft – neben der deutschen natürlich.

GermericanPilots: War es eine gute Entscheidung in die USA zu gehen?

Rainer: Die ersten Jahre waren sehr schwierig und auch so sehr ich Auswandern nach wie vor eine tolle Sache finde, würde ich diesen Schritt heute wohl vermutlich nicht mehr gehen. Ich bin froh, in einem tollen Land zu leben und bin den USA sehr dankbar. Ich bin U.S. Amerikaner und fühle mich hier zu Hause. Deutschland ist Heimat, dennoch fühle ich mich dort nach all den Jahren in den USA nicht mehr zu Hause. Ich besuche aber Freunde und Familie meistens zwei Mal im Jahr, wenn es sich zeitlich einrichten lässt.

GermericanPilots: Was vermisst Du an Deutschland am meisten?

Rainer: Mir als Rheinländer fehlt der Karneval und sonst die Biergärten, die deutsche Gemütlichkeit und besonders zu dieser Jahreszeit, der Weihnachtsmarkt und der Glühwein.

GermericanPilots: Meinst Du, dass Du irgendwann vielleicht nochmal zurück nach Deutschland kommst?

Rainer: Ich möchte nirgendwo anders leben und natürlich ist es nirgendwo perfekt. Weder in Deutschland noch in den USA. Ich fühle mich hier aber sehr wohl und bin hier fest verwurzelt. Eine Rückkehr nach Deutschland kommt für mich aus heutiger Sicht nicht in Frage. Auch wenn Deutschland ein tolles Land ist, tolle Menschen, hohe Qualität und Präzision. Doch die langen Winter und die Hürden, besonders wenn es um die Privatfliegerei geht, sind für mich wichtige Gesichtspunkte, die mich heute in meiner Entscheidung in die USA auszuwandern bestärken.  

GermericanPilots: Was gefällt Dir an der Fliegerei in den USA – im Vergleich zu Deutschland – besonders?

Rainer: Natürlich die Freiheit und der Service, der Piloten hier geboten wird. Preislich sind die USA nach wie vor interessant. Es werden keine Landegebühren berechnet und Fliegen zählt hier, aufgrund der größeren Entfernungen, als das Verkehrsmittel. Unternehmer oder Manager fliegen zu Geschäftsterminen, größere Firmen unterhalten alle Firmenjets. Die Infrastruktur ist phantastisch. Ein Landeplatz fast alle 20 km, meistens unkontrolliert und ohne Turm oder Luftaufsicht. Wer hier fliegt, kommt immer wieder. Es gibt nichts Vergleichbares, als das Fliegen in den USA.  Preislich ist die Ausbildung in den USA kaum zu schlagen, zeitlich ist es sowieso keine Frage. Bei fast 300 Tagen tollem VFR Wetter im Jahr hier in Florida, kommt es kaum zu Bodenzeiten. Eine Cessna 152 fliegt bei uns knapp 120 Stunden pro Monat. Das ist auch bei den besten Flugzeiten im Sommer in Europa nicht zu erreichen.

Rainer Pereira Da Silva von Florida Flyers: „Es gibt nichts Vergleichbares, als das Fliegen in den USA“

GermericanPilots: Wie kam es zur Gründung von Florida Flyers?

Rainer: Ich selbst ging damals zu einer sehr familiär geführten Flugschule hier in Florida. Aber irgendwie fehlte mir da als Unternehmer die Innovation. Auch wenn die Ausbildung qualitativ gut war, war zu spüren, dass Neuinvestitionen keine große Rolle spielten. Ich habe dann bei meinem Aufenthalt den Kunden zugehört, was sie sich wünschen, was ihnen fehlt, wie sie sich eine Flugschule für die Ausbildung vorstellen und wie man es besser machen könnte. So habe ich mich dazu entschieden, genau das zu machen. Herausgekommen ist Florida Flyers.

GermericanPilots: Zu Beginn zielte Florida Flyers also ausschließlich auf Flugschüler aus Deutschland?

Rainer: Als wir loslegten, waren wir natürlich auf unsere deutschsprachigen Kunden ausgerichtet und wollten das familiären Flair mit hochwertiger Ausbildung und modernerem Equipment verbinden. Heute sind wir stark gewachsen, weshalb das familiäre Umfeld, die Antwortzeit auf Anfragen und auch der persönliche Kontakt mit unseren Kunden aus Europa etwas gelitten haben. Wir haben das erkannt und nun reagiert.

GermericanPilots: Kann man denn bei Eurer Größe noch von „familiär“ sprechen?

Rainer: Natürlich haben wir heute mit mehr als 30 Flugzeugen, über 20.000 Flugstunden pro Jahr und mit vielen internationalen Flugschülern eine Größe erreicht, die Standardisierung und Effizienz erfordern. Hierbei haben wir in letzter Zeit nicht immer mit Kundenfreundlichkeit, Kundenzufriedenheit oder individuellem Kundenservice, besonders für unsere deutschsprachigen Kunden geglänzt. Unsere Kunden haben uns aber sprichwörtlich den Spiegel vorgehalten und wir haben erkannt, dass wir hier etwas ändern müssen. Die Veränderung im Kundenservice sowie die Rückkehr zu persönlicher und individueller Kundenbetreuung habe ich zur Chefsache erklärt. So stehe ich auch wieder persönlich unseren Kunden zur Verfügung.

GermericanPilots: Welche Ausbildungen bietet Ihr an?

Rainer: Wir bieten über unsere EASA Zulassung LAPL, EASA PPL und die modulare EASA ATPL Ausbildung zum Festpreis an. Natürlich bieten wir neben EASA Befähigungsüberprüfungen und Verlängerung der Klassenberechtigungen auch alle FAA-Ausbildungen wie PPL, Instrument Rating, CPL oder Zweimot-Ratings an. Als einzige Flugschule bieten wir auch den Erwerb beider PPL in einem an.

GermericanPilots: EASA und FAA in einer Ausbildung?

Rainer: Genau. Zwar müssen beide Theorien gelernt werden und jeweils eine schriftliche Prüfung für EASA und eine für FAA sowie eine praktische Prüfung nach EASA und eine praktische Prüfung nach FAA abgelegt werden, aber am Ende erhält der Kunde beide Lizenzen.

GermericanPilots: Wie ist es denn überhaupt möglich, dass man in den USA eine EASA-Ausbildung absolvieren kann?

Rainer: Bisher wurde so etwas bei einigen Flugschulen über die britische CAA abgebildet, aber dieses Konzept steht im Hinblick auf den baldigen „BREXIT“ vor dem Aus. Die deutschen Behörden sahen sich nicht in der Lage etwas ähnliches zu realisieren, aber wir sind in Österreich fündig geworden. Durch die Gründung unserer EASA Hauptstelle Florida Flyers Flight Academy GmbH in Wien, unter der Leitung von Andre Haufe, EASA ATPL’er und Betreiber des Fernlehrgangbetreibers Cranfield Aviation, können wir ab 2020 die komplette EASA Ausbildung, ob LAPL, PPL oder die gesamte modulare ATPL Ausbildung nun bei uns in Florida anbieten. Es ist keine Konvertierung nötig oder Anerkennung. Am Ende erhalten unsere Schüler eine EASA Lizenz ausgestellt durch AustroControl. Hiermit zählt Florida Flyers, neben sehr wenigen EASA zugelassenen Flugschulen in den USA, zu einem kleinen Kreis.

GermericanPilots: Stimmt es, dass ihr auch die Prüfungen selbst abnehmen dürft?

Rainer: Florida Flyers hat als eine der wenigen Flugschulen in den USA aufgrund unserer hohen Erstbestehensrate von mehr als 95% die Self examining Authority durch die FAA erhalten. Das bedeutet, dass bei uns die PPL-Prüfung sowie die Instrument Rating Prüfung nach FAA nicht durch einen externen Prüfer abgenommen werden, sondern durch unseren eigenen Chief Flight Instructor. Wir sind die einzige Flugschule, die innerhalb der letzten 12 Jahre diese Möglichkeit durch die FAA erhalten hat. Allerdings ist diese Berechtigung auf unsere FAA Part 141 Ausbildungen begrenzt. Wer die Ausbildung nach den flexiblen Regeln Part 61 ablegt, muss die praktischen Prüfung mit einem externen FAA Prüfer machen.

GermericanPilots: Du warst ja einige Zeit weg von Florida Flyers. Womit hast Du Dich während dieser Zeit beschäftigt?

Rainer: Ich hatte immer den Traum, mal in einem großen Cockpit zu fliegen und dachte, es wäre eine Gelegenheit, nachdem Florida Flyers eigentlich gut mit dem vorhandenen Management Team funktionierte. Der Pilotenmangel in den USA ist riesig. Ich bin als Embraer 175 Pilot zu einer großen Fluggesellschaft gewechselt und habe das gesamte Airline Training durchlaufen und dabei eine Menge gelernt. Eine tolle Zeit, einen Embraer Jet zu fliegen, aber auch Ernüchterung darüber, wie anstrengend und manchmal auch langweilig dieser Job sein kann.

GermericanPilots: Nun bist Du wieder da und führst die Geschäfte von Florida Flyers wieder selbst?

Ja. Ich habe schnell erkannt, dass Florida Flyers ohne mich etwas „holprig“ unterwegs war. Am Ende musste ich entscheiden, ob mir meine persönlichen Qualitätsanforderungen an die Ausbildung und die Organisation von Florida Flyers wichtiger sind, als die gewerbliche Fliegerei. Ich habe mich dann schließlich zur Rückkehr zu Florida Flyers entschieden, besonders im Hinblick auf meine leitende Fluglehrerposition in der EASA Ausbildung. Es ist mir persönlich wichtig, dass Florida Flyers auch zukünftig eine Top-Ausbildung liefert. Auch der persönliche Umgang mit unseren Kunden ist und war mir sehr wichtig. Das fehlte mir und es fehlte Florida Flyers. Ich bin Flieger mit Herz und Leidenschaft und freue mich, diese Leidenschaft und Passion mit meinen Kunden zu teilen. Das geht nur in der persönlichen Betreuung und dem persönlichen Kontakt vor Ort bei Florida Flyers. Ich habe nun also wieder die Geschäftsführung von Florida Flyers übernommen, wobei unser Chief Flight Instructor sowie Bettina in der Betriebsleitung mich nach wie vor unterstützen.

GermericanPilots: Was wird uns für die Zukunft noch von Euch erwarten?

Rainer: Wir sind gerade dabei, unsere gesamte Flotte Zug-um-Zug zu erneuern, um hier deutlich mehr Verfügbarkeit zu schaffen. Auch wenn hier noch keine endgültige Entscheidung gefällt wurde, planen wir den Kauf und Einsatz von mindestens 10 neuen Maschinen eines deutschen Flugzeugherstellers. Die erste Maschine soll bereits Mitte des Jahres geliefert werden. Somit auch hier ein kleines Dankeschoön an mein Heimatland und die qualitativ hochwertige Produktion „Made in Germany“. Wir werden uns weiter auf den Ausbau der EASA Ausbildungsprogramme konzentrieren und auch hier hoffentlich bald neben der ATPL Ausbildung auch MCC und JOC vor Ort anbieten.

Im kommenden Jahr errichten wir außerdem ein neues, modernes und zweigeschossiges Ausbildungszentrum am Flughafen St. Augustine, denn unser bisheriges Bürogebäude ist ein wenig zu klein geworden. Unsere Airline-Karriereausbildungen sollen nun gesondert von unserem normalen Geschäft in einem eigenen Gebäude betreut werden, so dass wir hier das familiäre Umfeld für den PPL Kunden oder Mieter weiterhin erhalten können.

GermericanPilots: Wir wünschen Dir und Florida Flyers auch in Zukunft viel Erfolg und vielen Dank für das Gespräch!

Weitere Informationen zu Florida Flyers findet Ihr unter www.flightschoolusa.com oder www.flugschule-usa.de