Part 61 vs. Part 141

Wer sich mit dem Lizenzerwerb in den USA beschäftigt stolpert oft über die Begriffe „Part 141“ und „Part 61“. Was bedeutet das und worin liegt der Unterschied?

Das erklärt uns heute Rainer Pereira Da Silva, Geschäftsführer und Gründer von Florida Flyers.

„Part 61 regelt alles im Privatfliegerbereich. Auch die Mindestanforderungen an die entsprechenden Ausbildungen in den USA, wie z.B. PPL, IFR, CPL, APL sowie Ratings und Endorsements (Zusatzeinträge für z. B. Kunstflug oder Flugzeuge mit Verstellpropeller und/oder Einziehfahrwerk). Die Ausbildung kann nach Part 61 eigentlich durch jeden Fluglehrer, auch wenn dieser nicht bei einer Flugschule beschäftigt ist (unabhängiger Fluglehrer) durchgeführt werden. Allerdings ist hier zu beachten, dass die U.S. Heimatschutzbehörde grundsätzlich ein M1 oder F1 Visum (akademische Ausbildung, z.B. Masters in Aviation) für jegliche Art der Pilotenschulung von ausländischen Flugschülern verlangt. Es gibt Ausnahmen, z.B wenn der Flugschüler eine vergleichbare Lizenz besitzt, EASA/JAR PPL und nun eine gleichwertige FAA Lizenz erwerben möchte. Also EASA PPL ist vorhanden und ein FAA PPL soll nun als eigenständige Lizenz erworben werden. Ist dieses nicht der Fall, ist immer ein M1 Visum erforderlich, ohne Ausnahme und für PPL, IR und ME immer eine TSA Überprüfung. Somit ist die Ausbildung nach Part 61 durch einen unabhängigen Fluglehrer nur Piloten mit einer legalen Aufenthaltsgenehmigung für die U.S.A., wie z. B. U.S. Staatsbürger oder Green Card Inhabern vorbehalten. Ausländische Flugschüler müssen die Ausbildung immer bei einer SEVIS/M1 Visa zugelassenen Flugschule absolvieren. Um M1 Visa ausstellen zu dürfen, muss die Flugschule zudem durch die FAA nach Part 141 zugelassen sein. Das ist vergleichbar mit einer EASA ATO. Dennoch kann auch in einer FAA Part 141 zugelassenen Schule die Ausbildung nach Part 61 erfolgen. Part 61 schreibt eigentlich nur die erforderlichen Inhalte der Ausbildung sowie die erforderlichen Flugstunden im jeweiligen Bereich vor. Z.B. beim PPL 40 Gesamtstunden Ausbildung, davon 10 Solo Flugstunden, usw. Die Reihenfolge ist dabei unwichtig, solange am Ende der Ausbildung alle Anforderungen erfüllt sind und durch den Fluglehrer geschult wurden.

In der Part 141 wurde der gesamte Ausbildungsplan durch die FAA genehmigt. Das bedeutet, es ist genau in einem Syllabus beschrieben, welche Inhalte wann geschult werden. Jede Flugstunde und jede Theoriestunde ist genau beschrieben. Stunde 1 z.B. Vertrautmachen, etc. Stunde 2, Rollen, etc. Der Vorteil der Part 141 Ausbildung ist, dass der Schüler genau weiss, was in der nächsten Stunde geschult wird, bis ins letzte Detail und sich entsprechend vorbereiten kann. Weiterhin sind sog. StageChecks, also Zwischenprüfungen mit dem Ausbildungsleiter in dem Ausbildungsplan vorgesehen, so dass der Leistungsstand und auch das Wissen des Schülers überprüft werden kann und, falls es irgendwo unrund läuft, sofort Korrekturen in die Ausbildung eingebracht werden können, ohne dass am Ende der Ausbildung, wie in der Part 61, das grosse Erwachen kommt. Vorteile der Part 141 Ausbildung sind die klare Strukturierung und, theoretisch, die Reduzierung der Schulungsstunden. Die FAA hat für die Part 141 Ausbildung die geforderten Ausbildungsstunden reduziert. Am Ende kommen aber doch identische Stunden heraus, wie bei der Part 61 Ausbildung. Der Nachteil der Part 141 Ausbildung, im Vergleich zur Part 61 Ausbildung ist der starre Lehrplan. Die Schulung muss genau nach Lehrplan erfolgen, Stunde 1 – Stunde x. Keine Abweichungen sind möglich. So wäre es z.B. In der Part 61 möglich, einen geplanten Überlandflug, der aufgrund schlechten Wetters an diesem Tag nicht stattfinden kann, einfach in einen Lokalflug oder Platzrunden zu wechseln. Das geht in der Part 141 Ausbildung leider nicht. Wenn die nächste Stunden ein Überlandflug ist, muss dieser auch durchgeführt werden, bevor es zur nächsten Stunde geht. Im Zweifel muss der Schüler dann auf besseres Wetter warten und kann nicht mit der Ausbildung fortfahren, bis diese Stunde erfolgreich erledigt ist. In der PPL Ausbildung bietet die Part 141 Ausbildung deshalb keine grossen Vorteile. Allerdings im Instrument Rating und bei der CPL Ausbildung sind deutliche Stundenreduzierungen in der Part 141 vorgesehen. Die Part 61 Instrument Rating Ausbildung erfordert im Vorfeld mindestens 50 Stunden Überlandflug nach Sichtflugregeln. In der Part 141 Ausbildung sind diese 50 Stunden nicht erforderlich. In der CPL Ausbildung wird der Unterschied noch deutlicher. Während die Part 61 eine Gesamtflugzeit von mind. 250 Stunden für die Part 61 CPL Prüfung vorsieht, kommt der Schüler in einer genehmigten Part 141, z.B. bei unserem reduzierten CPL Kurs bei Florida Flyers, nur mit 50 Stunden CPL Training plus PPL und Instrument, also knapp 130 Gesamtstunden aus. Somit 120 Stunden weniger, als bei der Part 61 Ausbildung, was sich deutlich im Geldbeutel bemerkbar macht.“

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